Demo des Zentralrat afghanischer Hindus und Sikhs in Frankfurt

Original Text des Zentralrat afghanischer Hindus und Sikhs e.V:

Keine Abschiebungen nach Afghanistan für Hindus und Sikhs – Infopapier

Wer sind wir?

Wir sind Hindus und Sikhs aus Afghanistan, eine religiöse Minderheit. In den 80er Jahren lebten schätzungsweise etwa 220.000 Hindus und Sikhs in Afghanistan. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken. Heute leben schätzungsweise nur noch etwa 1.350 Hindus und Sikhs in Afghanistan 1. In nahezu allen Lebensbereichen werden Hindus und Sikhs in Afghanistan benachteiligt.

Religiöse Diskriminierung

Die Religionsfreiheit wird in Afghanistan in der Praxis nicht umgesetzt. So können Hindus und Sikhs die Feuerbestattung kaum ohne gewaltsamen Widerstand verrichten. Hindu- und Sikh-Frauen müssen gegen ihre religiösen Vorstellungen die Burka tragen. Die gestiegene Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten gefährdet das Leben der Hindus und Sikhs in Afghanistan2 . Hindus und Sikhs können sich somit nicht frei bewegen.

Zwangsenteignung von Eigentum

In zahlreichen Fällen wurde Wohn- und Geschäftseigentum der Hindus und Sikhs in Afghanistan gewaltsam enteignet. Der afghanische Staat ist bislang noch nicht gegen die unrechtmäßigen Enteignungen vorgegangen3. Somit fehlt vielen eine Grundlage um eine sichere Existenz aufzubauen.

Soziale Diskriminierung

Die wenigen verbliebenen Hindus und Sikhs in Afghanistan sind in Tempelanlagen untergebracht, die sie kaum verlassen, da es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen kommt. Hindu- und Sikh-Kinder werden besonders benachteiligt. Sie können aus Angst vor Angriffen und Belästigungen keine staatlichen Schulen besuchen4.

Katastrophale Sicherheitslage

Die Lage ist im gesamten Afghanistan nicht sicher5 . Gemäß UN-Unterstützungsmission für Afghanistan (UNAMA) ist die Zahl der zivilen Opfer gestiegen und hat 2015 Rekordniveau erreicht. Im September 2016 sind bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Kabul 24 Menschen ums Leben kommen6. Sardar Rawail Singh, der Sohn eines prominenten Vertreters der Sikh Community wurde im Oktober 2016 in Jalalabad auf offener Straße erschossen7. Im November 2016 sind bei einem Angriff der Taliban auf das deutsche Konsulat in Masar-i-Sharif mindestens 6 Menschen getötet und mindestens 120 verletzt worden8. Bewaffnete Angreifer haben Anfang Dezember 2016 im Süden Afghanistans 5 Frauen erschossen, die am Flughafen in Kandahar angestellt waren9 . Ende Dezember 2016 wurde Nirmohan Singh Dilsoze, der sich besonders für die Sikh-Gemeinde einsetzte, in Kunduz erschossen10 . Auch am 30.12.2016 beschreibt das deutsche Auswärtige Amt die Sicherheitslage in Afghanistan wie folgt: „In ganz Afghanistan besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Landesweit kann es zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und andere Gewaltverbrechen kommen.“11

Wegen der katastrophalen Sicherheitslage sowie der unwürdigen und lebensbedrohlichen Situation von va. Hindus und Sikhs im gesamten Afghanistan halten wir eine Abschiebung in das Krisenland für menschenverachtend.

Wir fordern daher die Bundesregierung und alle Landesregierungen auf,

  • einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan, va. für Hindus und Sikhs zu erlassen und
  • allen in Deutschland lebenden Hindus und Sikhs als religiös verfolgte Gruppe den Flüchtlingsstatus anzuerkennen.

Unterstützen Sie uns gemeinsam weitere Abschiebungen nach Afghanistan zu stoppen.

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